Die kleine Stilkunde für jeden Forenbetreiber

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  • Die kleine Stilkunde für jeden Forenbetreiber

    13 Apr 2015 14

    Ein Sprichwort besagt: „Das Wort geht aus einem Munde, aber in tausend Ohren.“

    Noch bevor ein (potenzielles) Forenmitglied sich wirklich mit dem genauen Inhalt einer Plattform beschäftigt, wird nicht selten die Seite als Ganzes in Augenschein genommen. Neben Dingen wie dem Design und inhaltlichen Angeboten spielt auch der dargebotene Schreibstil eine Rolle. Das heißt, wie präsentiert ein Betreiber bzw. Team die Seite? Der erste Eindruck kann entscheidend sein und dem Besucher vermitteln, welches Niveau, welcher Stil und welcher Ton in einem Forum herrschen bzw. gepflegt werden.

    Der passende und individuelle Stil ist nun wiederum keine Glückssache oder nur möglich, wenn man z.B. Germanistik studiert hat, sondern mit kleinen, aber nützlichen Stiltipps kann jeder Betreiber seinem Forum das eigene Flair verleihen. Welche elf Tipps das sind und wie man sie nutzt, werde ich nun erklären und danach auch in einer komprimierten Liste zeigen, wie man es besser nicht machen sollte.


    1. Das Verwenden von gleichen Anlauten geht schneller ins Gedächtnis und sorgt so für einen Wiedererkennungseffekt.
    Beispiel: Frisch, fröhlich und frech – der Freizeitbereich des Forums.

    2. Die Wiederholung von Wörtern am Satzanfang unterstreicht die Bedeutung und verschafft zugleich Aufmerksamkeit.
    Beispiel: Über uns: was wir mögen, was wir erwarten, was wir planen.

    3. Die Wiederholung von einem Wort am Satzende bleibt auch länger im Gedächtnis, da es das Letzte ist, was der Leser liest.
    Beispiel: Denkst du kreativ, bist du kreativ und drückst dich kreativ aus? Dann ist der Kreativbereich dein Forum.

    4. Ein Satz, der wie ein Kreis formuliert ist, erzeugt Nachhaltigkeit.
    Beispiel: Das Beste vom Besten – hier findest du unsere besten Stile.

    5. Gegensätze erzeugen Neugier beim Leser.
    Beispiel: Sein oder Nichtsein...dein Forum für philosophische Gespräche.

    6. Sprichwörtlich sind aller guten Dinge drei. Drei Dinge suggerieren Vielfalt und Überzeugung.
    Beispiel: Spaß, Spannung und gute Laune, willkommen im Off-Topic-Bereich.

    7. Gezielter Spannungs- und Steigerungsaufbau lässt Leser aufhorchen.
    Beispiel: Gut, besser, Grafikhighlights. Das Forum für die Grafikexperten.

    8. Wortneuschöpfungen verweisen auf Originalität und heben sich dadurch von der Masse ab.
    Beispiel: Spacige Designs, nerdiger Fachslang und die Twitteria-Lounge.

    9. Scheinbar widersinnige Formulierungen erzeugen Interesse.
    Beispiel: Ein Forum für Kunst, die man essen kann: dein Kochforum.

    10. Anspielungen auf das Tagesgeschehen oder bekanntes Wissen schafft Wiedererkennung.
    Beispiel: Spannung, Spiel und Unterhaltung, gleich drei Dinge auf einmal im Spiele-Forum.

    11. Reime bleiben im Gedächtnis.
    Beispiel: Schreibe hier oder schreibe dort, Off-Topic ist der richtige Ort.







    Als Betreiber einer Plattform ist man mitunter "betriebsblind" und merkt daher nicht, dass der eigene Stil beim Besucher/Mitglied anders ankommt als beabsichtigt. Als Besucher/Mitglied wiederum merkt man durch die Außenposition oft schnell, wie individuell eine Plattform wirklich (nicht) ist. Diese 10 stilistischen Unfeinheiten sollte man daher besser vermeiden:



    1. Konstante Wiederholungen
    Wiederholungen prägen sich nur ein, wenn man sie nicht „abnutzt“, bei zu häufigen Wiederholungen schweift der Leser gelangweilt ab.
    Beispiel: Hier findest du das Forum zu...

    2. Bandwurmsätze
    Mehrere miteinander verschachtelte Sätze müssen vom Leser erst „entwirrt“ werden, was zu Unmut bis Unverständnis führen kann.
    Beispiel: Hier findest du alles von Logos über Grafiken, aber auch Off-Topic und noch weitere Themen gehören dazu, die in einzelnen Foren angesprochen werden, um so möglichst viele User anzusprechen und zum Mitreden zu bringen.

    3. Holprige Syntax
    Wenn der Satz für den Leser „irgendwie komisch“ klingt, liest er oft sofort weiter.
    Beispiel: Hier ist das alles, was du schon immer alles lesen willst.

    4. Unnötige Anglizismen
    Wenn es feste deutsche Wendungen gibt, sollten diese auch genutzt werden, da allzu viele Anglizismen als künstlich bis unnötig empfunden werden.
    Beispiel: Hier findest du To-do-Listen, News, Games, die Database und many more...

    5. Vermischungen
    Zu viele Angaben in einem Satz führen dazu, dass man als Leser ein „großes Ganzes“ im Hinterkopf behält, aber nicht mehr Einzelheiten.
    Beispiel: Alles rund um Spiele, Spielanleitungen, Spielstrategien, Spielfiguren, Spiellevel...

    6. Populismus
    Begriffe und Stile einer „BILD“-Zeitung mögen lustig klingen, haben aber gleichzeitig den Effekt, dass man sie als einseitig-populistisch und wenig seriös einstuft.
    Beispiel: Wir sind die megamäßige Gaming-Macht, andere Kiddie-Foren können einpacken.

    7. Inflationäre Superlative
    Eigenlob stinkt bekanntlich, häufig genutzte Superlative führen zu Abstumpfung, bis hin zu Kopfschütteln und Unglauben.
    Beispiel: Wir sind das hammergeilste, beste und coolste Forum.

    8. Stilbrüche
    Es fällt dem Leser sofort auf, wenn ein Stil plötzlich geändert wird, also von sachlich zu salopp oder in den Jargon gewechselt wird. Das kann dann schnell künstlich klingen.
    Beispiel: Hier findet man informative Anleitungen und zudem geile Grafiken.

    9. Vulgarismen und obszöne Anspielungen
    Diese sollten immer vermieden werden, da sie nur von einem minimalen Leserteil überhaupt als „lustig“ empfunden werden. Vielmehr stoßen sie ab und lassen den Schluss zu, der Verfasser würde ein eher zweifelhaftes Niveau aufweisen.
    Beispiel: Titten, Tore und Alk, eure Community für alles, was rattenscharf und geil ist.

    10. Phrasen
    Wer Unzulänglichkeiten kaschiert und Übertreibungen hofiert, greift früher oder später zu Phrasen, die beim Leser Abstumpfung und ein Überlesen erzeugen.
    Beispiel: Die Herausforderung, ein solches Forum zu leiten, ist groß.
    (Das heißt „übersetzt“: Die Person lenkt von Fehlern ab, schiebt sie auf die vielen Aufgaben innerhalb des Forums, um die sie sich eben nicht auf einmal kümmern kann.)








    Viel Spaß beim Testen der Tipps und dabei vielleicht an Schopenhauer denken:

    Der Stil ist der genaue Abdruck der Qualität des Denkens.

    2.284 mal gelesen

Kommentare 14

  • valeo -

    Sehr schön @Gabbid. Ein toller Artikel !

    • Gabbid -

      Vielen Dank für diese Rückmeldung und ich hoffe, der ein oder andere Punkt erweist sich eventuell einmal als nützlich für dich. :)

  • Sidcode -

    Vielen Dank für den aufschlussreichen Blogbeitrag. Wenn ich mal so darpber nachdenke, sehe ich als Betreiber das Forum wirklich anders, als die Gäste. Jedoch muss ich sagen, fällt es mir A) nicht auf, wenn ich mal schnell den Schreibstil wechsle und B) Bin ich ehrlich gesagt viel zu unkreativ. Dennoch Danke. Dein Artikel hat mir eine andere Sichtweise beim Aufbau eines Forums eingebracht ;)

    • Gabbid -

      Das freut mich zu hören und wäre auch die Idealversion, dass es zum An- und Überdenken anregt. Als Verfasser ist man oft betriebsblind, muss sich dann antrainieren zugleich der eigene Kritiker zu sein, um immer zu überprüfen, wie Aussage und Wirkung zueinander stehen. Mitunter lohnt es sich die eigenen Texte als Werbung aufzufassen, die man an den Mann bringen möchte. Also: Wie wirkt der Text? "Spürt" der Leser an Stelle X, was ich aussagen/erreichen will? Wäre ich selber überzeugt und wenn nicht, warum nicht? Es braucht Zeit und eine gewisse Routine, man muss das konsequent so angehen, aber ich denke, man kann es wirklich erlernen, wenn man motiviert ist. Von daher, bleib am Ball und wenn du unsicher bist, eine Art Übungseinheit mit mir durchspielen möchtest, können wir das auch im Forum machen. Dazu gibt es ja das Forum und auch mich in dem Fall. :)

  • Syslord -

    Bin begeistert und erfreue mich deiner Texte und Hinweise die ich immer mit Interesse verfolge bitte um mehr solcher Themen und danke für deine Mühe

    • Gabbid -

      Vielen Dank für diese freundliche und motivierende Rückmeldung. :) Da ich auf der technischen Ebene leider nicht kompetent genug bin, um ausreichend zu helfen, versuche ich es in anderen Bereichen. Eine Liste mit weiteren vielleicht nützlichen Themen haben wir intern bereits zusammengestellt, ich würde mich dann speziell um Bereiche wie Stil, Präsentation, relevante Forenaspekte, Marketing usw. kümmern. Konkrete Wünsche, Anregungen usw. sind jederzeit willkommen, wenn es also etwas gäbe, einfach vermerken, es wird gehört. :)
      Und es macht auch keine Umstände oder Mühe, dazu sind wir doch in einer Community, damit sich jeder einbringt und versucht nach bestem Wissen und Können zu helfen. :)

  • HSE24 -

    Danke für diese Einführung in einen Aufbau der Seite mit Möglichkeiten zum Ansprechen der Besucher/Mitglieder .

    • Gabbid -

      Keine Ursache, es freut mich, wenn es hilft. :)

  • Pam -

    Ein toller Beitrag, den hab ich ab jetzt immer in der Nähe :)

    • Gabbid -

      Oh, das freut mich zu hören. :) Ich möchte Leute nie mit zu viel "trockener" Theorie langweilen, aber denke, man kann sich doch die ein oder andere stilistische Technik zunutze machen. Von daher werde ich versuchen immer wieder möglichst hilfreiche und leicht anwendbare Tipps zu verfassen, ohne gleich die ganz schweren Germanistik-Geschütze auszufahren. :D

    • [FFW] Patric -

      Un im Zweifel nutzt du Texte wie "Titten, Tore und Alk, eure Community für alles, was rattenscharf und geil ist." und schon - wie man gesehen hat - schaffst du Aufmerksamkeit bei manchen und es wirkt auch nicht trocken :D :P

    • Gabbid -

      Und da dachte ich, speziell ihr Herren der Schöpfung würdet das nonchalant übersehen, weil ihr nicht oberflächlich gestrickt seid. Tja, Patric...muss ich noch etwas sagen? :D Nächster Artikel: "Political correctness innerhalb der Forenwelt" bzw. "Wie viele Klischees verträgt eine Online-Community?" :D

    • Pinky -

      Nicht schlecht. Menschen sind manipulierbar und jeder liest es anders ... Der Eine so, der Andere so. Es ist wie mit den Beurteilungen beim Arbeitszeugnis. Wer sich wirklich danach richtet, gerät schnell ins Stolpern.

    • Gabbid -

      "Manipulieren" würde ich keinen mit diesen Tipps wollen, es ist eher ein rezeptives "Lenken". Ich verstehe aber was du meinst. Eventuell kann ich einmal eine Art Rezeptionsästhetik "light" zusammentragen, um plastisch darzulegen, wie man Sprache noch gezielter einsetzen kann (Stichwort Werbung).